06.10.2017 - Lost in Neverland

Der Tag fängt um 7 Uhr an aber ich bin noch viel zu faul zum Aufstehen.
Erst mal die Mails checken. Na super, der Manager von Alamo hat sich immer noch nicht gemeldet. War mir schon fast klar! Also schnell mal eine böse Mail verfasst. Leider bricht die immer kurz vorm versenden wegen irgendwelcher Sicherheitshinweise ab. Menno, ganz toll.
Ich habe so lange rumgedoktert dass alle mittlerweile fertig geduscht und angezogen sind, nur ich liege immer noch im Bett. Jetzt muss mal Markus ran, sonst kommen wir hier heute gar nicht mehr weg.
Erst um kurz vor 9 Uhr bin ich dann so weit und wir räumen schnell noch das Gröbste zusammen. Na Klasse, Frühstück ist jetzt auch vorbei. Na ja, eigentlich auch nicht schlimm, denn das Futter vorne Frühstück zu nennen, wäre übertrieben.
So frühstücken wir heute morgen die restlichen Käsesticks von gestern abend und unsere Lebkuchenreste.
Um 9.30 Uhr checken wir aus und ich mache noch schnell ein paar Fotos vom Motel und dem Pool.

Schade, unsere Zeit in Moab ist schon wieder vorbei. Ich könnte hier auch locker 1 ganze Woche verbringen, ohne dass mir langweilig wird. Soooo schön hier!
Der heutige Tag wird ein sehr langer Fahrtag und es liegt einiges an Strecke vor uns also machen wir uns mal lieber auf den Weg. Vorbei am Wilson Arch kommen wir gut voran und erreichen schon bald Monticello. Hier biegen wir nach Links in Richtung Farmington ab.
Während Markus uns durch die Gegend kutschiert, bringe ich endlich unseren Reisebericht auf den neusten Stand.
Die Mädels ertragen das Gedudel des Radios nicht mehr und möchten lieber ihre gespeicherte Handymusik laut machen. Markus meint er will lieber Düddelü Musik hören als Bum Bum Tamtam, ah ja!! Es ist noch früh am Morgen und ganz offensichtlich ist da etwas noch nicht ganz Aufgewacht!
Kurz darauf erreichen wir die State Grenze von Colorado und müssen natürlich mal eben an dem schönen State Schild für ein paar Fotos anhalten.

Hach, es tut immer wieder gut, nach langer Fahrerei sich mal wieder die Beine zu vertreten.
Und weiter geht die Fahrt, immer Richtung Süden.
Gegen 12.30 Uhr erreichen wir pünktklich zur Mittagszeit das Four Corners Monument. Hier ist alles fest in Navajohand. Wir zahlen 20 $ Eintritt für uns 4 und dürfen auf den Parkplatz durchfahren.

Für ein so winziges Monument eigentlich eine ziemliche Abzocke und dementsprechend wenig ist hier auch los. Außer einer handvoll Verrückte sind keine Besucher da.
Zu sehen gibt es hier, die aus verschiedenen Filmen bekannte 4-fache Staatsgrenze. Eingerahmt von den dazugehörigen Flaggen.
Ein Schild weist darauf hin, dass jeder nur 3 Bilder machen darf. Die haben ja wohl nen Knall! Für den Eintrittspreis fotografiere ich hier soviel ich will!
Ich weiß auch nicht warum hier so viele Tribünen und Bänke stehen, ich kann mir nicht vorstellen, dass das hier so voll wird!

Wir machen ausgiebig Fotos auf den Grenzsteinen bevor wir uns die umliegenden Buden der Navajos näher anschauen.

Bis auf 1 oder 2 Shops, die tatsächlich sehr originelle handgefertigte Pfeile und Vasen anbieten, gibt es nur Kitsch und Schrott ohne Ende und das zu dermaßen überteurten Preisen, dass wir nicht 1 Einzigen sehen können, der etwas kauft. Wovon die hier wohl leben? Wir zählen fast 40 Verkaufsstände und dazu nur 10 potenzielle Käufer - das kann ja nix werden!

Nach gut 30 min haben wir genug gesehen und fahren weiter. Fazit: Kann man machen, muss man aber nicht. Auf jeden Fall für das Gebotene absolut zu teuer!
Kurz darauf erreichen wir Shiprock - wer denkt sich eigentlich diese bekloppten Namen aus?
Mann oh Mann, was ist denn hier los? Ein Banner klärt uns auf: dieses Wochenende findet das Shiprock Festival statt. Und hier steppt der Bär, das ganze Städtchen ist auf den Beinen. Überall Kirmesbuden, Zelte, Stände und Stau ohne Ende!
Wir halten am Citymarkt mitten im Ort. Geheuer ist mir das ja hier nicht. Ich glaube wir sind so ziemlich die einzigsten Weißen die hier herumlaufen. Vor der Tür liegen ein paar ziemlich fertige Gestalten herum und überhaupt sehen die Personen, die hier herumschleichen nicht wirklich vertrauenserweckend aus. Aber wir haben Hunger - also nichts wie rein da.
An der Warmtheke ergattern wir ein Barbecue-Hühnchen und Potato-Wedges. Außerdem kaufen wir noch unsere Lieblingschips und Milch. Und dann nichts wie weg hier. Mit unserer Beute machen wir uns lieber mal zurück zum Auto.
Hinter dem Markt ist Polizeipräsenz ohne Ende - überall Blaulicht und Officers - na, die werden schon wissen warum.
Auf der Hauptstraße winken uns lebende Reklameschilder mit witzigen Masken zu und fordern uns auf die gegenüberliegende Festwiese mit den unzähligen Karrussells zu besuchen.
Da es selbst den Mädels hier nicht geheuer ist, gibts noch nicht mal Protest als wir daran vorbeifahren.
Nix wie raus aus diesem merkwürdigen Ort!
Kurz hinter Bloomfield halten wir zum Futtern an. Leider ist es so windig, dass wir fast wegfliegen und so fahren wir genervt weiter, um uns lieber ein etwas geschützeres Plätzchen zu suchen.
Auf der Schnellstraße 550 brettern wir an der Abfahrt der US 57 vorbei. Mist, da hätten wir raus gemusst - und nun?
Markus kennt nur 1 Lösung - ein waghalsiges Wendemanöver mitten auf dem Highway bei dem unser komplettes Gepäck einmal die Seite wechselt - Hilfe!
Gut, dass jetzt keine Police in der Nähe war, die hätten daran die hellste Freude gehabt!
Aber zumindest können wir so doch noch in die richtige Straße abbiegen und kurz hinter der Kreuzung finden wir auch ein nettes Fleckchen zum Picknicken. Wir genießen unser Kofferraum-Picknick - Deluxe und fallen über unsere Vorräte her.

Mehrer Trucks kreuzen unsere Straße und schauen uns an als wären wir Mondmenschen. Darf man hier noch nicht mal was in Ruhe Essen?!
Da immer noch ein guter Wind weht, machen wir uns aber schon bald wieder auf und fahren die US57 weiter. Alle halten Ausschau nach der Ah-Shi-sle-Pah Wilderness. Die Straße hat Löcher wie Krater und wir fahren im Zickzack herum immer in der Hoffnung, dass uns hinter den Hügeln nur ja keiner entgegenkommt. Nach 2 min Fahrt warnt uns ein Schild am Straßenrand vor unpassierbaren Wegen bei Nässe aber zum Glück ist im Moment von Regen nichts zu sehen. Ab hier wird die Straße unpaved und wir erreichen eine endlose, buckelige Sandpiste.
Wir fahren zwischen endlosen Feldern und einem völlig unüberschaubaren Netz mit abzweigenden Feldwegen herum. Mittlerweile bereue ich es, dass ich nur eine Wegbeschreibung von Zehrer ausgedruckt habe und keine genauere Karte. Hier sind zwar GPS Daten angegeben aber da wir dieses Mal kein GPS Gerät dabei haben, nutzt uns das nur wenig. An der Navajo BIC Mission - einer kleinen Ansammlung von Häusern und einer Schule vorbei, passiert uns dann der Fehler: wir fahren mangels Ausschilderung einfach geradeaus und landen so ohne es zu merken auf der Indian Service Route 7650. Die Strecke wird immer sandiger und zeitweise stehen kleine Pfützen auf der Straße. Hier scheint es vor nicht allzu langer Zeit ordentlich geregnet zu haben. Nach fast 1 Stunde endlosem Gegurke, beschließt Markus zu drehen - hier kommt definitiv nichts mehr! Menno!
Auf dem Rückweg sehen wir von weitem auf einem Hügel mitten im Nirgendwo einen kleinen Asiaten der wild mit den Armen rudert. Markus hält vorsichtig am Straßenrand an, was macht man denn hier mitten in der Einsamkeit auf einem Sandhügel wo weit und breit nichts ist?
Er sieht ganz schön wüst aus, total matschverschmiert bis zum Hosenbund fummelt er nervös an seinem Handy herum. Das Rätsel ist schnell gelöst, er ist wohl einen der vielen kleinen Feldwege abgefahren - immer brav seinem Navi hinterher und steckt jetzt komplett im Matsch fest. Alleine kommt er da nicht mehr raus. Wir steigen den Hügel hoch um uns die Misere mal etwas näher anzusehen. Ach du je - ganz übel! Nicht nur, dass er einen Kleinwagen ohne Allrad hat, er steckt dermaßen tief in der Pampe fest, dass es bereits ins komplette Auto reingelaufen ist. Die Fußmatten, die Sitze und der komplette Innenraum sehen aus wie nach einer Schlammschlacht.
Zudem erzählt er uns, dass dies ein Mietfahrzeug ist - gar nicht gut, dass ist ja ganz böse in die Hose gegangen!
Aber Allrad hin oder her - wir fahren da jetzt auf gar keinen Fall auch noch rein und so tief wie das Fahrzeug feststeckt, ist es da auch mit Schieben definitiv nicht mehr getan. Es tut mir zwar leid ihn so verzweifelt hier zurücklassen zu müssen aber wir versprechen ihm Hilfe zu schicken, mal sehen ob wir da vorne an der Mission etwas erreichen können.

Nach etwa 3 Meilen sind wir da. Glücklicherweise kommt uns eine nette Frau mit kleinem Hund entgegen, denn ansonsten sieht es hier ziemlich ausgestorben aus. Wir erklären ihr die Misere und sie nickt wissend. Ja, hier würden sich jede Woche mehrere Leute festfahren. Sie kennt das schon. Das nächste professionelle Abschleppunternehmen ist in Bloomfield und für uns damit 30 Meilen in die falsche Richtung. Aber hier in der Mission wohnt wohl jemand, der einen Pick-up mit Ladekran hat, der hätte das nicht zum ersten Mal gemacht. Sie telefoniert eine Weile herum bis sie ihn erreicht und signalisiert uns, dass sie sich drum kümmert, wir könnten dann weiterfahren. Wir beschreiben ihr noch die Stelle wo der Arme steht und fahren dann weiter. Ich hoffe, sie konnten ihm helfen und alles ist gut ausgegangen! Also wer in der Gegend einen Abschlepper braucht - in der Mission gibt es Hilfe!
Nach der Aufregung ist die weitere Strecke ziemlich langweilig.
Wir fahren durch karge Landschaft, nur Ölfördertürme stehen gelegentlich mal am Wegesrand herum. Bunte Badlands lassen die Landschaft kurzfristig wieder schöner aussehen. Wirklich toll - leider hab ich vor lauter Staunen glatt vergessen ein Foto davon zu machen.
Schließlich werden die Bäume höher und dichter und kurz vor Bernalillo gibts dann auch wieder rote Erde zu sehen. An einem Tag durch sämtliche Klimazonen - die Landschaft wandelt sich hier wirklich unglaublich schnell.
Wir erreichen Albuquerque pünktlich zum Sonnenuntergang und stehen so kurz vorm Ziel dann prompt in einem dicken Stau.
Ach du je, hier gab es einen ziemlich schlimmen Unfall mit 5 verkeilten Fahrzeugen. Drei Polizeiwagen, die Feuerwehr und die Ambulance ist auch schon vor Ort - das sieht gar nicht gut aus - schnell weiter!
Um halb 8 Uhr sind wir im Comfort Inn & Suites angekommen. Das Hotel liegt in einer etwas einsamen Gegend macht aber von Außen einen sehr guten Eindruck. Auch Drinnen werden wir nicht enttäuscht, alles ist neu renoviert und sehr modern eingerichtet - Fein, da haben wir wohl die richtige Wahl getroffen!
Beim Einchecken wird uns dann auch unser bestelltes Kylie Cosmetic Päckchen überreicht - sehr gut, auch das hat also geklappt!

Wir bekommen Zimmer 207 im ersten Stock, direkt über dem Pool. Unser Zimmer ist sehr gemütlich, die Betten sind superbequem und auch das Bad ist sehr schön. Was wollen wir mehr?!

Ich frage schnell noch an der Rezeption wann wir von hier zum Balloon Festival losfahren müssen und bekomme zur Auskunft, dass wir dann spätestens um 4.15 Uhr hier weg müssen. Uff, was tun wir uns da nur an?! Und wir sollen uns sehr warm anziehen, morgen früh wäre es kalt - na fantastisch, wie bringe ich das meinem kältescheuen Mann bei?
So, jetzt wird es aber Zeit zum gemütlichen Teil des Tages überzugehen - schnell aufs Zimmer zum Umziehen und dann nichts wie zum Pool. Die Mädels toben schon draußen herum, ich kann sie bis ins Zimmer hören.
Kaum sind wir da, wird schon wieder das ganze Hotel aufgemischt.
Markus liegt auf dem Bett rum und mosert vor sich hin. Er will unbedingt in einen Ross Dress for Less - 1 Woche USA und noch so gut wie nichts geshoppt geht für meinen Mann gar nicht!
Ich will auf jeden Fall erst mal was vom Festival und der Altstadt sehen, ich bin ja nicht zum shoppen und Tetris spielen um den halben Globus geflogen!
Jetzt erst mal ab in den Whirlpool. Auch die Poolanlage scheint noch nicht alt zu sein. Alles ist penibelst sauber und um diese Uhrzeit haben wir die komplette Anlage für uns ganz allein - perfekt!

Der Whirpool ist genau richtig temperiert und es gibt Sprudeldüsen auf jeder Höhe, hach ist das herrlich! Ich lasse mich fein durchblubbern, während die Mädels immer wieder zwischendurch in den eiskalten Pool springen. Einen dicken Zeh stecke ich auch mal rein. Brrr, nein danke das ist ja eiswürfelkalt, schnell wieder ins Warme!
Nach 1 Stunde bin ich aufgeweicht und richtig fein bettreif müde.
Noch leicht nass in unsere Handtücher gehüllt, flitzen wir nach oben. Schnell die Haare geföhnt und dann ab in die Koje.
Ach, ja , ich muss ja noch die paar Fotos von heute überspielen und alle Geräte fein für morgen früh aufladen.
Ich habe es mir gerade im Bett so richtig gemütlich gemacht als mir auffällt, dass sämtliche Ladekabel noch im Auto in der blauen Reisetasche sind. Och Menno! Markus, der als Einziger noch angezogen ist, erbamt sich und schlapft nochmal zum Auto.
So, jetzt aber flott alles an den Strom gehangen und dann ist Heia machen angesagt, denn mitten in der Nacht klingelt heute der Wecker - Oh, mein Gott!
Und so geht heute bereits um 21.30 Uhr bei uns das Licht aus.

Wetter: sonnig, aber nur 25 Grad mit vielen kalten Sturmböen
gefahrene Kilometer: 701 Kilometer
Highlight des Tages: gab es heute nicht so richtig
Hotel: Comfort Inn&Suites, Mc Knight Avenue
Preis: 230 € für 2 Nächte
Hotelbewertung: sehr schönes, neu renoviertes Hotel mit gemütlichen Zimmern. Frühstücksraum groß und hell. Auch das morgendliche Frühstück ist hier sehr gut und reichhaltig. Pool und Whirlpool sind super für ein abendliches Bad. Hotel kann nur empfohlen werden!